DER TAGESSPIEGEL (24.09.2011):

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Kiez im Kommen

(Von Christian Hunziker, Immobilienjournalist und 2011 vom WVFI ausgezeichnet mit dem Deutschen Preis für Immobilienjournalismus) Noch ist die südliche Friedrichstadt von der Entwicklung Kreuzbergs abgehängt. Doch das dürfte sich bald ändern.
... In der Alten Jakobstraße 166/167, einer Baulücke zwischen dem Europäischen Patentamt und einem der wenigen erhaltenen Gründerzeitwohnhäuser in dieser Gegend, beginnen voraussichtlich noch in diesem Jahr die Bauarbeiten am sogenannten Metropolenhaus. „Als wir das Grundstück im Jahr 2007 vom Liegenschaftsfonds erwarben“, berichtet Architektin und Bauherrin Benita Braun-Feldweg, „stießen sich viele am Standort und fragten: Wie kann man hier gehobenen Wohnungsbau realisieren?“

Tatsächlich könnte sich das, was Braun-Feldweg entworfen hat, nicht deutlicher unterscheiden von den Nachkriegs-Wohnblöcken in der Nachbarschaft. 20 Wohnungen mit einer Größe zwischen 75 und 200 Quadratmetern sollen entstehen, die, so Braun-Feldweg, „unterschiedliche Lebensentwürfe ermöglichen“. Einen großzügigen Wohn-, Ess- und Kochbereich wird es geben und die Möglichkeit, Arbeiten und Wohnen zu kombinieren. „Es ist ein gut ausgestattetes Produkt für Menschen, die innerstädtisch wohnen und eventuell auch arbeiten möchten“, sagt die Bauherrin.

Allerdings sei die Gegend tatsächlich „noch kein Kiez und absolut nicht kuschelig“, räumt Braun-Feldweg ein. Dafür sei der Standort zentral, und die Preise seien günstig. Zwar kosten die Penthouses 3500 Euro pro Quadratmeter, doch die Maisonette-Wohnungen im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss sind bereits für 2380 Euro pro Quadratmeter zu haben. Außerdem, ist Braun-Feldweg überzeugt, sei die Lage im Kommen. Diese Hoffnung der Architektin gründet sich auf das Jüdische Museum und die Berlinische Galerie, die beide ganz in der Nähe sind, vor allem aber auf die Entwicklung rund um die ehemalige Blumengroßmarkthalle.

Die Halle selbst wird derzeit nach Plänen von Daniel Libeskind zur Akademie des Jüdischen Museums umgebaut, während der Liegenschaftsfonds die Flächen um die Halle herum unter der Bezeichnung „Checkpoint Art“ zum Kauf ausgeschrieben hat. Noch bis Mitte November haben Investoren Zeit, sich um eines oder mehrere der fünf Baufelder zu bewerben und ihre Konzepte einzureichen, die „an einer kultur- und kreativwirtschaftlichen Nutzung orientiert“ sein sollten, wie es beim Liegenschaftsfonds heißt...